Kai und Janet aus Wiesbaden entwerfen und produzieren unter dem Label Vecona Vintage seit 2009 Kleidung für Damen und Herren im Stil der 1920er bis 1940er Jahre. Zur Mode sind die beiden über Umwege gekommen: Janet hat zuvor ein Informatik-Studium abgeschlossen, Kai führte ein Werbebüro. Die gemeinsamen Hobbies nähen und Swing tanzen haben sie schließlich auf einen neuen beruflichen Weg gebracht.

Was ist eure Definition von Qualität?
Ganz besonderes Augenmerk richten wir auf die kleinen Details unserer Modelle. So haben wir eigene Metallknöpfe entwickelt, die in einer Trachtenknopfmanufaktur geprägt werden, andere werden aus dem nachwachsenden Rohstoff Steinnuss oder recycelten Papier hergestellt. Auch unsere Stoffe werden hauptsächlich in Deutschland gewebt, sodass keine langen Wege entstehen und wir zusammen auch eigene Wunschmaterialien wie unseren Art Déco Futtertaft umsetzen können. Auch bei der Verpackung ist uns Wiederverwertbarkeit und lange Lebensdauer wichtig. So kommen unsere Stücke in hochwertigen Nietkartons und völlig ohne Plastik in den Versand, auf Veranstaltungen können die Sachen in wiederverwertbaren Tragetaschen nach Hause gebracht werden.

Unsere Herrenhosen haben auf der Rückseite einen geteilten Bund, sodass sie leicht angepasst werden können, wenn es doch mal etwas zu gut geschmeckt hat. Die meisten Kleidungsstücke sind für mehr Komfort und Schonung des Obermaterials gefüttert. So können beispielsweise Wollsachen nicht kratzen und beulen nicht aus. Diese kleinen Besonderheiten und sorgfältige Handarbeit machen Vecona Vintage Stücke so besonders und lange tragbar.

Vecona Vintage ist inspiriert von der Mode der 1920er bis 1940er Jahre. Warum fokussiert ihr euch ausgerechnet auf diese Periode? Was fasziniert euch daran?
Seit 2004 bot Janet unter ihrem ersten Label VECONA Einzelstücke als Auftragsarbeit an, die von zahlreichen Genres und Epochen inspiriert waren. Als sie 2007 in New York zum ersten Mal live Swing Bands und Tänzer erlebte, ist ein neuer Funke übergesprungen. Da es Ähnliches hier in Wiesbaden zu der Zeit noch nicht gab, haben wir uns nach ihrer Rückkehr mit einigen Freunden zusammengetan und einen Tanzlehrer engagiert. Mit der Musik und dem Tanzen lag die passende Mode nicht fern. Als wir schließlich mit unseren selbst entworfenen und genähten Modelle auf den Parties auftauchten, war das Interesse groß und wir haben den Schritt mit Vecona Vintage gewagt.

Vintage, also alten Originalen Beachtung zu schenken und sie wiederzubeleben, bedeutet für uns, den Staub abzupusten und sie in einen modernen Kontext zu setzen. Es geht uns nicht darum, die Zeit noch einmal genauso zu durchleben, sondern Schönes, Elegantes, Kunstvolles auszusuchen und diese Dinge in unser heutiges Leben zu integrieren. Wir lieben die bequemen und zeitsparenden Errungenschaften unserer Zeit, Waschmaschine und Computer, die Möglichkeit, als Frau Karriere zu machen, die Demokratie und dass uns keine Bombe aufs Haus fällt! Doch wir lieben die Kleidung in alten Filmen und Zeitschriften, Art Deco Objekte und swingenden Jazz.

Foto: Frauke Bönsche (fash.de) ; Hair: Theresia Pistel (the-mup.com); Makeup: Melli Horn & Corine Spies (the-mup.com)

Welche kleinen Details machen den „Retro-Look“ so einzigartig? Oder anders gesagt: An welchen Details lässt sich dieser ganz bestimmte Look erkennen?
Besonders typisch für die Jazz Age Epoche ist die Hose mit hohem Bund und weitem Bein, die vielen Figuren mehr schmeichelt als eine auf der Hüfte sitzende schmale Röhrenhose. Zu diesem weiten Beinkleid wird eine figurnahe Weste getragen, auch das Jackett ist tailliert, an den Schultern dagegen wieder stark betont. Die meisten Kanten sind leicht geschwungen und die Winkel wie am Hemdkragen oder am Westensaum spitz und schlank. Das passende Hemd hat eine halbe Knopfleiste und wurde bis in die 1950er Jahre über den Kopf angezogen.

Auch bei den Damenmodellen ist die Taille akzentuiert. Der hohe Bund der Röcke und Hosen sorgt für endlos lange Beine und wirkt anmutig und elegant. Diese Eleganz ist es, die wir mit Vecona Vintage von alten Fotos auf lebende Menschen übertragen.

Inwiefern unterscheiden sich die Kleidungsstücke von Vecona Vintage von den originalen Vorlagen? Setzt ihr z.B. auf andere Stoffe, Schnitte, etc. Wenn ja, warum?
Janet sammelt Mode- und Nähzeitschriften aus den 1920er bis 40er Jahren und fertigt eine Menge Reproduktionen mit Hilfe der alten Schnittmuster. So lässt sich das typische Aussehen und die Passform der realen Modelle am besten erfahren. Auch unsere eigene Sammlung von Vintage-Kleidung liefert uns viel Detailwissen über Schnitte, Verarbeitung und Details. Die meisten Modelle basieren auf Originalentwürfen, werden aber von uns entweder in Passform oder Material in die heutige Zeit transportiert. So haben wir zum Beispiel bei den Damenkleidern die damals typischen Druckknopfleisten in der Seitennaht durch unsichtbare Nahtreißverschlüsse ersetzt und die Damenblusen etwas länger geschnitten, damit sie auch mit modernen Hosen getragen werden können. Bei der Materialauswahl folgen wir unserem Herz und verwenden statt Echtpelz ein luxuriöses Fellimitat für unsere Stolen SILVERSCREEN STAR und FAUX FOX.

Was sind eure ganz persönlichen Lieblingsstücke von Vecona Vintage – und wieso?
Kai trägt fast täglich seine Arbeitshose RUSTY DUSTY oder TEXAS TOMMY, die er entweder mit dem Chambray Hemd GASOLINE GENE oder einem schlichten T-Shirt kombiniert. Wer ihn schon mal persönlich getroffen hat, kann ihn daran jederzeit wieder erkennen! Janet lebt beinahe ausschließlich in den 1930er Jahre Crepehosen BOARDWALK BONNIE, die mit Ringelshirt alltagstauglich sind und kombiniert mit einer zarten Bluse abendfein werden.

Vielen Dank für das Interview!

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