INTERVIEW MIT Vordenker Michael Schmidt, HERAUSGEBER DER MAKERS BIBLE

Heute wollen wir euch Michael Schmidt, den Geschäftsführer von melville brand design und Herausgeber der Makers Bible Serie vorstellen.
Michael ist so etwas wie ein Kommunikations- und Marketingfachmann. Seit zehn Jahren betreibt er mit vier Partnern Melville Brand Design, ein Designbüro in München. Seit Anfang 2016 führen sie die Marke "Makers Bible – A manifesto for quality, passion and craftsmanship" mit analogen und digitalen Publikationen.


Was bedeutet „New Heritage" für dich?

Ich würde sie als Markt – im Sinne von Treffpunkt – für Gleichgesinnte beschreiben. Im Fokus stehen Produkte, die entweder aus einer Tradition kommen oder das Zeug dazu haben, eine zu begründen. Also ein Markt für Wahres und Gutes. 


Bitte gib uns deine Definition von Qualität. 

Langlebig in Stil, Funktion und Nutzen. Dinge, die durchdacht, simpel, schön sind. (Dies gilt für 'unsere' Produktgruppen.) 


Mit deinem neuen Buch BEETROOT & STEEL widmest du dich der Küche und ihrem Umfeld. Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

Das war einfach. Die Beschaffung und Zubereitung von Nahrung ist das älteste Handwerk der Welt. Dazu ist es die Voraussetzung sozialen Zusammenhangs. In der Küche, am Lagerfeuer, beim Essen, beim Trinken kommen die besten Gespräche zustande und Gefühle zusammen, dort entsteht Gemeinschaft. Marken in diesem Umfeld - und für diesen Zweck - haben wir uns als 'brand guide' intensiv gewidmet.


Links oben: Essensbilder aus Mononpolis von Stefan Braun, links unten: empfohlene Weine, rechts: Michael Schmidt, Herausgeber der Makers Bible 
c/o Melville Brand Design

Was sind dein Lieblingsgericht und dein Lieblingsgetränk?

Ich koche leidenschaftlich gerne. Vorne an steht ein gutes Stück Fleisch. Für indische Thalis könnte ich Verbrechen begehen, ebenso für Chicken Tikka Masala und immer wieder steht vor mir ein Teller Spaghetti Bolognese! Gin & Tonic. Geht immer. Und dann lange nix. Und je nach Situation seit neuestem auch mal ein guter Whisky.


Was hat dich dazu bewogen, dich mehr mit der Geschichte und Entstehung der Produkte, die du konsumierst, auseinanderzusetzen?

Das ist eine Kombination aus beruflicher Auseinandersetzung mit Marken (also auch Design, Marketing, Kommunikation) und persönlichen "Erkenntnissen", also der kritischen Betrachtung von Konsum - und natürlich meinem eigenen. Der Wunsch nach weniger Lautstärke und mehr Substanz, sowie der nach Nachhaltigkeit in allen (vielen) Aspekten.


Soweit ich weiß, hast du einige Hersteller, die im Buch vertreten sind, auch persönlich besucht. Gibt es eine Geschichte, die dich besonders beeindruckt hat?

Es sind die Gegensätze. Letzten Sommer waren wir an einem ohnehin warmen Tag in einer Eisen-Giesserei, wo die Kochgeräte von "Hoffmann-Metallgefässe" gegossen werden (siehe "Man of Steel" in Beetroot & Steel). Das Jahr zuvor durfte ich mir die Produktion bei Lange-Uhren ansehen. Obwohl beide Metallverarbeiter sind, sieht man in diesem Vergleich, was Handwerk ausmacht, welche Vielfalt es hat. Sozusagen vom Superlativ von Grob zu dem von Filigran.
Und dann gibt es Macher dazwischen, wie Berthold Hoffmann, die das Rohe in etwas Anspruchsvolles verwandeln. Das gleiche gilt für die Silberwerkstatt von Klaus Lohmeyer, Werkstatt:München. Beide Ateliers sind wunderschöne Hinterhof-Werkstätten mit Seele und was dort heraus kommt, ist zutiefst beeindruckend.


Das Interesse der Konsumenten an der Herkunft und der Qualität von Produkten steigt. Glaubst du, dass sich dieses Interesse auf lange Sicht durchsetzt?

Naja, auf der anderen Seite gibt es auch immer mehr Trash und diese Konsumenten sind weltweit die Mehrzahl. Dennoch wird sich "auf unserer Seite" (Qualität, Leidenschaft und Handwerk) sicher ein fester Stamm von Leuten etablieren, die haltbares, ethisch korrektes, natürlich-gesundes, vererbbares, reduziertes und aus natürlichen Stoffen Hergestelltes bevorzugen und dann diesen Marken und Machern treu bleiben. 


Vielen fällt es schwer, wahre Qualitätsprodukte zu finden und nicht Marketingversprechen auf den Leim zu gehen. Geht dir das auch so? Wie prüfst du die Qualität der Produkte, die du kaufst?

Erst einmal nähere ich mich den Produkten durch Empfehlungen. Dann auch durchs Internet. Aber bei wertvollen Dingen gehe ich zum Kauf zum Einzelhändler. Prüfen tue ich nicht wirklich, aber wenn sich Fehler zeigen, kann ich das Produkt zurück bringen. Und manchmal tut es dann eine Reparatur oder ein Teil-Austausch. 


​​Besitzt du ein Lieblingsstück, das dich schon lange Zeit begleitet?

Na klar. Zwei. Meine Sinn Uhr. Die trage ich ununterbrochen seit 1995 am Handgelenk. Davor habe ich sie mir zwei Jahre intensiv gewünscht. Und meine Leica M3, die ein Jahr älter ist als ich. Deren Objektive kann ich immer noch auf eine Leica M von heute schrauben, wenn ich eine hätte.


Hoffentlich sehen wir uns im Mai auf der New Heritage – Festival für Zeitloses. Was wünschst du der New Heritage?

Erfolg und gesundes Wachstum. Ohne Wachstum gäbe es kein Bestehen. Und die New Heritage, das wünsche ich mir, sollte es "für immer" geben.


Vielen Dank für deine Zeit und deine spannenden Antworten.

Weitere Infos zur Makers Bible findet ihr unter:  www.makersbible.com



Interview geführt von Moritz Fuchs. 

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