Julia Francesca Meuter ist 1992 in Neapel geboren. Nach dem Abschluss ihres Bachelorstudiums in Industrie Design an der Hochschule ISIA (Istituto Superiore per le Industrie Artistiche) von Florenz zog sie nach Bremen, um an der Hochschule für Künste zu studieren. Im September 2018 schloss sie ihr Masterstudium im Fachbereich Integriertes Design ab. Zurzeit arbeitet sie als Grafikdesignerin in Bremen.

Die Publikation "Vom Wert der Dinge" ist Teil ihrer Abschlussarbeit an der HfK Bremen. Die zentrale Frage darin: Wie kommen wir zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und einer besseren Gesellschaft? Das Buch vereint Essays, Thesen und Interviews mit Akteuren der heutigen Manufakturen-Szene, stellt die Handlungsorte durch verschiedene Fotostrecken vor und regt zum Weiterdenken an. Ein Plädoyer für die „nicht-Industrie“ – als Perspektive für eine zukunftsfähige Welt.

Bitte gib uns deine Definition von Qualität.
Was Qualität hat, sollte halten. Was Qualität hat, kann ich meinen Enkelkindern vererben. Denn es ist noch nützlich in seiner Funktion und zeitlos in seiner Gestaltung.

Das Interesse der Konsumenten an der Herkunft und der Qualität von Produkten steigt.  Glaubst du, dass sich dieses Interesse auf lange Sicht durchsetzen wird? Warum oder warum nicht?
Ich glaube, dass es weiter in diese Richtung gehen wird, denn wenn das Bewusstsein der Konsumenten erst einmal geweckt worden ist, kann man es nur schwer wieder abstellen. Es kann uns nicht von einem Tag auf den anderen wieder egal sein, wo die Produkte, die wir kaufen, herkommen und zu welchen Bedingungen sie hergestellt worden sind.  Zumindest trage ich diese Hoffnung in mir. Ich glaube, es ist essenziell, dass uns der Zusammenhang von Qualität und Nachhaltigkeit klar wird: egal ob das Produkt das Bio-Siegel oder Fair Trade-Logo trägt, wenn man es doch wieder nach kurzer Zeit wegwirft, weil es abgenutzt oder aus der Mode ist, bringt das alles nichts. Zu diesem Weltbild von Nachhaltigkeit und Qualität gehört auch eine Zügelung unseres Konsumverhaltens. Das muss uns allen klar werden.

(c) Julia Meuter (www.juliameuter.com)

Der Manufaktur-Begriff scheint allgegenwärtig zu sein, ist aber gleichzeitig auch sehr diffus und wird manchmal zu Werbezwecken missbraucht. Was ist deine Meinung: welche Betriebe dürfen sich „Manufaktur“ nennen? Welche nicht?
Es ist kompliziert. Während der Recherche für mein Buch „Vom Wert der Dinge“ habe ich mich mit dem Verband Deutsche Manufakturen e.V. und deren Anlegen auseinandergesetzt. Dieser beschäftigt sich unter anderem mit der Definition und Eingrenzung des Manufaktur-Begriffes und hat sehr spezifische Anforderungen an Betriebe, die dem Verband beitreten möchten. Relevant sind z.B. die Anzahl der Mitarbeiter, der hohe Anteil an handwerklicher Arbeit, die Geschäftsführung durch den Inhaber. Ich sehe es zwar nicht so eng, aber verstehe das Problem: Desto mehr Eisdielen sich als Eismanufakturen bezeichnen, umso schwammiger und leerer wird der Begriff.

Dein Buch heißt „Vom Wert der Dinge“. Woran bemisst sich denn der Wert von Dingen?
Ohne jetzt das ganze Buch zu spoilern: Es geht gar nicht um den Wert der einzelnen Dinge, sondern um das Gesamtbild, in dem sich diese positionieren, um den Kontext, den sie beeinflussen und von dem sie zugleich beeinflusst werden. Es geht darum, einen Schritt zurückzugehen und Gegebenes zu hinterfragen. Klingt jetzt nach einer Menge Arbeit. Aber es lohnt sich.

Welche Eigenschaften muss ein Produkt aufweisen, damit du es kaufst?
Ich versuche nur das zu kaufen, was ich wirklich brauche. Wenn es dann mal so weit ist, kaufe ich gerne Second-Hand. Ich achte auf die Verarbeitung und auf die Materialien, und bin dann bereit auch etwas mehr zu zahlen, um ein langlebiges Produkt zu haben.


Vielen Dank für das Interview!

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