Für eine Kneipe, die etwas auf sich hält, ist er mindestens so essentiell wie ein ausreichend großer Vorrat an Bier – der Kicker. Traditionell durch den jahrzehntelangen Gebrauch und Dutzende verschütteter Drinks etwas in Mitleidenschaft gezogen, sorgt er bei zwei bis vier Personen im nüchternen wie angetrunkenen Zustand für verbissene Wettkämpfe und entspanntes Daddeln gleichermaßen.

Kickern ist "Krökeln", "Wuzzeln" und "Töggelä spielen"

Der Name "Kicker" kommt dabei nicht etwa von dem Verb kicken – auch wenn das eigentlich naheliegend zu sein scheint. Stattdessen beruht diese Bezeichnung auf dem Namen eines Genfer Herstellers für Tischfußball. Die Schweizer Tische waren so beliebt, dass sich der Name Kicker bald als Synonym für den Tischfußball etablierte. Wie bei fast allen Begriffen gibt es aber natürlich auch regionale Unterschiede: In Norddeutschland beispielsweise geht man in der Kneipe Krökeln, in Österreich Wuzzeln und in der Schweiz Töggelä spielen.

Bilder Kicker. Fotos: Lisa Gathman

Tischfußball: Wer hat's erfunden?

Die Herkunft des Begriffes "Kicker" ist damit geklärt – weitaus komplizierter wird es bei der Entstehungsgeschichte des Tischfußballs. Unterschiedliche Legenden weisen mal einen Franzosen, dann wieder einen Engländer als Erfinder des Kickers aus. Das erste Ur-Modell eines Kickers fertigte wohl der französische Citroën-Mitarbeiter Lucien Rosengart an, das erste Patent für ein ähnliches Tischfußball-Gerät erhielt aber 1922 der Engländer Harold S. Thornton. Und dann gibt es noch die Sage, dass der Tischfußball gegen Ende des 1. Weltkriegs in französischen Lazaretten erfunden wurde – um die Hand-Auge-Koordination verletzter Soldaten zu trainieren.

Obwohl letztere Variante vermutlich eher nicht der Wahrheit entspricht, stimmt es durchaus, dass das Kickern weit mehr ist als ein Kneipensport. Seit 1969 gibt es den Deutschen Tischfußballbund, es existiert tatsächlich eine deutsche Tischfußball-Nationalmannschaft und wer auf Profi-Niveau spielen möchte, muss viele Hundert Stunden in das Training stecken – nicht umsonst gilt der Tischfußball als das "Spiel der Millionen Fehler".

Kicker von max hap: Genug von schlechten Kneipenkickern

Für die meisten von uns wird es jedoch bei den Kicker-Turnieren in der Lieblingsbar bleiben. Und wer regelmäßig Kneipen in Berlin oder Hannover frequentiert, hat vielleicht schon mal auf einem Kicker von max hap gespielt: Drei Jungs aus Leipzig haben die Tischfußball-Schmiede 2012 gegründet und stellen seither in Handarbeit Kicker-Tische her, die ein Leben lang halten – mindestens. Ohne Sollbruchstelle, dafür aus robusten Materialien, die dafür sorgen, dass das gute Stück auch draußen stehen bleiben kann und in einer Spielqualität, die der eines Sport-Kickers entspricht.

Wie Tischfußball einen Identifikationswert erhält

Und ganz passend zur Geschichte des Kickers an sich gibt es auch für max hap eine gute Gründungs-Story. Geboren wurde die Idee nämlich auf einer Geburtstagsparty im Jahr 2004, als sich zu später Stunde über die minderwertige Qualität des verfügbaren Kickers beschwert wurde. Daraufhin machten sich die späteren max hap-Gründer daran, ein besser durchdachtes Modell zu entwerfen. Plastik weicht Stahl und einheitliches Design kreativen Lösungen – kein Wunder, sind zwei der drei Jungs doch hauptberuflich im Bühnenbau für Straßentheater tätig. 120 bis 140 Stunden Arbeit stecken in der Grundausstattung allein. Möchte man seinen max hap-Kicker außerdem noch customizen lassen, kommen nochmal einige Stunden dazu, erklärt Hanjörg Pfettscher, der bei max hap für den Vertrieb zuständig zeichnet. "Unser Ziel ist es, Kicker und Kunden untrennbar miteinander zu verbinden." Aktuell seien sie zum Beispiel mit einem Unternehmen im Gespräch, in deren neuen Kicker alte Maschinenbauteile aus dem Arbeitsalltag integriert werden sollen. "Da wissen die Mitarbeiter dann: Dieses Teil stammt aus dieser oder jener Maschine. Das gibt so einem Tisch einen ganz anderen Identifikationswert."

Sportgerät, Designobjekt, identitätsstiftender Treffpunkt: Wer den Tischfußball zum reinen Kneipensport degradiert, irrt gewaltig. "Wir werden oft gefragt, ob es sich in Zeiten von Videospielen überhaupt noch lohnt, in analoge Spiele wie einen Tischkicker zu investieren", sagt Hanjörg Pfettscher. "Dazu kann man nur sagen: Aber klar. Weil du den Kicker anfassen kannst, weil du die Menschen siehst, mit denen du spielst, weil du dadurch oft überhaupt erst Leute kennenlernst."

Autorin: Juliane Becker

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